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# 10 Ein Mal über die Alpen bitte. Fahrradreisen mit Kind.

Hahahaha ich merke grade ein paar Tage frei tun mir richtig gut! Ich habe nämlich endlich Kraft all das nachzuholen, was ich ständig aufgeschoben habe, nach Wichtigkeitsfaktor natürlich. Ich wollte schon lange über unsere Radreisen mit Petzi berichten, die wir in den letzten zwei Jahren gemacht haben.

 

Hierzu muss ich gleich gestehen, die Bildqualität ist nicht der Brüller, da wir nur mit Handy unterwegs waren, einfach aufgrund der fehlenden Mittel für eine anständige Kamera. Na ja wie das halt immer so ist bei jungen Familien. Man kann nicht alles auf einmal haben.

Trotzdem hatten wir unglaubliche Momente, die wir einfangen konnten und die uns immer wieder vom Bildschirm aus daran erinnern.

 

2015 haben wir unsere zwar nicht ganz die erste, aber erste längere Radtour über 3 Wochen quer durch Alpen gemacht.

Der Petzi war damals 2,5 Jahre alt und war seinen Anhänger schon gewöhnt. Übrigens heute mit 4,5 ist er immer noch in den Hänger verliebt und will da am liebsten wohnen. Kurze Werbung (unabhängig vom Hersteller oder sonst jemandem): wir haben einen Chariot Cougar, oder wie der heute heißt: Thule. Inzwischen haben wir uns den gleichen gekauft, nur neu und in der anderen Farbe. Aber das ist die Investition wert. Der hohe Preis zahlt sich mit dieser unglaublich vielseitigen Nutzung aus. Und wie gesagt, der Petzi würde am liebsten die ganze Zeit nur in dem Ding überallhin kutschiert werden.

 

Wir starteten in Frankfurt mit 2,5 Rädern und zwei Anhängern. Das Gesamtgewicht war nicht wegzuleugnen, deshalb mussten wir so gut es ging reduzieren, angefangen bei den leichten Isomatten und Schlafsäcken bis hin zu Funktionsklamotten, bestehend für jeden nur aus wenigen Teilen. Das doofe war, der Petzi trug noch Windeln und das war schon ein gutes Paketchen, wir wussten nicht wo wir nächstes mal Windeln einkaufen konnten.

 

Es ging mit dem Zug nach Bad Tölz. Da konnten wir bei Bekannten übernachten, um am nächten Morgen frisch gestärkt aufzubrechen.

 

Apropos Anhänger Nr. 2! Unser Lastenanhänger von carry freedom ist ein super Teil (eine kleine Werbung ohne jegliche Bitte vom Hersteller). Vielseitig einsetzbar, z.B. auch mit verlängerter Stange um lange Sachen zu transportieren. Es hat vier Löcher in der Aufladefläche (die aus Holz ist), sodass man alles mit Gurten fixieren kann ohne dass sie wegrutschen. Die Räder kann man genau wie beim Chariot/Thule Anhänger schnell abmachen. Das hat uns viel genützt als wir alles in den engen Abteilen der Züge verstauen mussten.

 

Wie man sieht, hatten wir in der Tat 3 Räder dabei: der dritte zählte natürlich eher als die Hälfte, denn es wiegt ja nicht viel. Der Petzi fuhr auf gerade Strecken selber, es war eine tolle Abwechslung zum Sitzen. Und wenn er keine Lust mehr hatte, konnte man das Rädchen schnell mit dem Spanngurt oben auf dem Lastenhänger befestigen.

 

Wir schliefen meist auf den Campingplätzen, bis auf wenige Ausnahmen in B&B. Wie z.B. in Matrei am Brenner. Nach einem anstrengenden Tag gegen Abend ist uns an einem Fahrrad die Kette gerissen und so hatten wir keine andere Wahl, als in B&B zu übernachten. Was sich letztendlich doch sehr gelohnt hat: ein wunderschönes altes Haus mit gewölbten hohen Decken, alten Bauernmöbeln und urigem Frühstück.

Und auf dem Campingplatz am Achensee konnten wir morgens die Stille beim Frühstück genießen. Der Platz war wirklich toll.

 

Leider hatten wir in der ersten Woche kein Glück mit dem Wetter. Es hat sehr viel geregnet und wir wurden nicht mit sehr schönen Panoramalandschaften entlohnt. Erst nach dem Brenner, wo es schön bergrunter ging, hat sich alles verändert. Sowie die Landschaft als auch das Wetter.

Das Passieren des Brennerpasses war sehr anstrengend. Grade an dem Tag waren es beinahe 30 Grad und die unendliche Schlange an Autos, LKWs und Motorrädern setzte uns ordentlich zu. Der Petzi hat zum Glück alles verschlafen, denn es wäre für ihn eine Katastrophe stundenlang in der Hitze langsam hochzufahren ohne aussteigen zu dürfen.

Für mich war es ein Alptraum und da will ich nicht wieder hin. Obwohl ich schon stolz auf mich bin, dass ich persönlich es geschafft habe. Der Herr des Hauses ist da viel fiter und hatte auch mehr Gepäck.

Im Nachhinein hatten wir gedacht, dass es nicht ganz klug war von Bad Tölz aus zu starten. Denn erst ab Innsbruck wurde die Route und die Landschaft schöner mit jedem Kilometer.

 

Unsere Route verlief wie folgt: Bad Tölz - Lenggries - Achenwald - Hall im Tirol - Innsbruck - Brenner - Sterzing - Franzesfeste - Bruneck - Toblach - Cortina D'Ampezzo. Von Bruneck aus waren wir auf dem ausgebauten Bahnradweg, was ausgesprochen schön ist. Mit vielen Tunnels, breiten Fahrwegen und gutem Belag. Die Abfahrten waren traumhaft und lang und die Landschaft wunderschön.

 

Als wir bei Toblach waren, konnten wir nicht umhin zu den berühmten Drei Zinnen zu fahren. Das Angebot direkt zum Ziel mit dem Bus gebracht zu werden war sehr verlockend, ausßerdem hielt der direkt am Campingplatz an. Wir haben es uns angetan.

 

Die überwältigende Bergszene wurde auf die Waage zusammen mit den Menschenheeren gelegt, die dort unterwegs waren. Man ging den Rundweg Schulter an Schulter mit Hunderten anderen fremden Begeisterten. Sowas haben wir noch nie gesehen. Noch ein Tag zuvor war der Herr des Hauses alleine auf einem benachbarten Berg unterwegs (wir sind auf dem Campingplatz ein paar Nächte geblieben) und hat den ganzen Tag keine Menschenseele getroffen. Kein Wunder, sie waren ja alle bei den Drei Zinnen!

 

Der Rückweg mit dem Bus war etwas heikel. Viele haben tatsächlich ihr Auto im Tal stehen gelassen und haben sich auf das genügsame Angebot an Bussen verlassen. Nur waren es leider nicht genug Busse für diese Menschenmassen verfügbar. Gedränge, Geschubse und Geschrei gewannen gegen Abend die Oberhand und dank dem müden Kind auf den Armen konnten wir einsteigen. 

 

Übrigens hatten wir auch den Anhänger vom Petzi dabei, was sich als Fehler erwies, denn wir konnten den auf den schmalen Berfpfaden nicht schieben. Der Herr des Hauses musste es also tragen, während der Petzi brav gelaufen ist. Der Rundweg hat ca. 4 Stunden gedauert.

 

Der beste Radabschnitt dieser Reise war jedoch von Toblach nach Cortina. Es war nur ein Tag, die erste Hälfte bergauf, die andere Hälfte bergab. Der Weg war einfach traumhaft. Es lohnt sich auf jeden Fall diesen Abschnitt zu fahren, egal in welcher Richtung!

 

In Cortina war bei uns einfach die Luft raus. Ursprunglich hatten wir kein festgesetzes Ziel und auch kein Rückticket.

Als wir uns ein Plätzchen auf dem Camping Olympia ausgesucht haben, wollten wir dort nicht mehr weg. Wir hatten einen Fluss vor den Füßen, hohe Berge mit Klettersteigen um uns rum und tolle Wandermöglichkeiten in der Umgebung.

 

Tatsächlich hatten wir noch Zuhause gedacht einen Klettergurt und ein Klettersteigset mitzunehmen. Wir dachten irgendwo wird sich schon die Gelegenheit ergeben.

Und so konnten wir es in Cortina gut nutzen. Es gibt vor Ort einige Möglichkeiten.

 

Nach eine Woche Entspannung, Klettern, Wandern und Nicht-radeln-zu-müssen mussten wir uns auf den Weg machen. In Cortina haben wir uns Bahntickets besorgt, in schlechtem Englisch seitens der Frau an der Kasse. Sie hat uns versichert, dass wir Fahrradplätze für den IC von Franzensfeste nach München gebucht und bezahlt haben, und so starteten wir wieder mit dem Rad nach Toblach mit einer Übernachtung vor der Abreise.

 

Von Toblach nach Franzensfeste sind wir mit dem RB ohne Probleme gefahren. Die richtigen Probleme hatten wir in verregnetem Franzensfeste, wo es keinen Bahnhof und keinen Schaffner gibt, und nur 5 Minuten Umsteigezeit waren.

 

Der Schaffner aus dem ÖBB hat uns einfach nicht mitgenommen.

 

Sie hatten keinen Platz für unsere Räder samt Hänger im Zug mehr.

 

Whaaaat?

 

Wir mussten den nächsten Zug nehmen. Aber... aber... wir haben doch Tickets, wir haben alles bezahlt, und wir müssen wieder zurück, zur Arbeit!

 

Nö, alles voll. Der nächste Zug war auch voll. Und der übernächste auch.

 

Nach drei Stunden Warten, Fluchen, Hunger und Regen sind wir endlich in einen RB Richtung Brenner eingestiegen. Wir mussten etliche Male umsteigen bis wir endlich gegen Abend in München waren. Insgesamt 5 Mal von Toblach nach München.

Uns blieb nichts anderes übrig, als in einer Jugendherberge zu übernachten. Das doofe war nur, dass weder für den Tag noch für den drauffolgenden keine ICs mit Fahrradplätzen frei waren.

Also haben wir uns in die RE's gesetzt und nach sechs Stunden waren wir endlich in Frankfurt.

 

Die Heringe haben übrigens auch ziemlich gelitten, allerdings wegen den steinharten Böden und nicht wegen der Rückfahrt.

Eine Lehre war es uns: nächstes Mal buchen wir uns Tickets für die Rückfahrt.

Und eines Tages kehren wir zurück auf den etwas in den 80ern stehengebliebenen Camping Olympia in Cortina. Diesen Charme möchte ich noch einmal erleben.

 

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