· 

# 83 Hüttenwanderung Mama + Kind

Wie sagt man so schön: nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub. So ist nämlich bei uns diesen Sommer! Satte 5 Wochen Ferien-frei-Kinder-Zeit muss man erstmal rumkriegen!

Ich habe mich getraut und bin mit meinem Petzi in die Berge gefahren.

 

Auf dem Weg von oberen Bierenwanggalpe zu Fiderepasshütte
Auf dem Weg von oberen Bierenwanggalpe zu Fiderepasshütte

Geplant habe ich eine Hüttenwanderung im Allgäu. Die Kriterien für die Auswahl waren keine lange Anreise (mit Öffis), nicht zu lange Wanderwege zwischen den Hütten (nicht länger als 3,5-4 Stunden) und kein stundenlanger Aufstieg zur ersten Hütte aus dem Tal. Zudem wollte ich nicht die ganze Woche wandern, sondern zwischendurch einen Tag Pause einlegen.

Gebucht wurde das Zugticket für hin-und-zurück für eine Woche, und die Vorbereitung der Tour hatte begonnen.

 

Bei der oberen Bierenwangalpe
Bei der oberen Bierenwangalpe

Ursprünglich hatte ich vor keine Übernachtungen auf den Hütten zu buchen, denn ich wusste nicht wie gut der Petzi mitläuft. Doch kurz vor der Reise habe ich durch Zufall entdeckt, dass eine Hütte am Wochenende schon ausgebucht war, und ich fing an panisch die Übernachtungen zu planen und zu reservieren. 

Dies hatte schon den ersten Nachteil: ich musste ein neues Rückfahrtticket buchen, statt am Sonntag abzureisen, mussten wir schon am Samstag im Zug sitzen. Nun ja, es war noch zu verkraften, denn Deutsche Bahn hat immer so wunderbare Sparangebote.

 

Der Plan sah folgendermaßen aus:

- Ankunft frühnachmittags in Oberstdorf mit dem Zug, danach mit dem Bus bis zur Fellhornbahn

- Mit der Seilbahn bis zur Mittelstation Schlappoltsee, von dort aus bis zur Fiderepasshütte (angegebene Gehzeit 2,5 Stunden)

- am nächsten Tag von Fiderepasshütte über den Krumbacher Höhenweg zu Mindelheimer Hütte (angegebene Gehzeit 3,5 Std)

- zwei Übernachtung auf der Hütte, ein Tag Pause (an dem Tag wollte ich kurze Touren machen, zB zum südlichsten Punkt DE)

- weiter zu Rappenseehütte (angegebene Gehezeit 5 Std)

- zwei Übernachtungen auf der Hütte mit Pausentag, ebenfalls kurze Wanderungen

- Abstieg ins Tal, zur Bushaltestelle, spätnachmittags der Zug von Oberstdorf

 

Wichtig: die richtige Länge für den Stock finden!
Wichtig: die richtige Länge für den Stock finden!

Am Montag stiegen wir in den Zug und kamen planmäßig in Oberstdorf am Bf an, direkt anschließend fuhr der Bus Richtung Alpe Eschbach in 30-Minütigem Takt. Von der Bushaltestelle ging es wenige Meter zu Fellhornbahn. Das Ticket mit seinem stolzen Preis von 22 Euro ließ auf sich warten, denn die Dame am Schalter rührte sich nicht, sie musste so lange telefonieren, dass ich schon fast Angst hatte, die Seilbahn zu verpassen. Die letzte aus dem Tal fährt um 16:30, wir hatten zwar noch Zeit bis zur letzten, aber im Angesicht dessen, dass es noch mindestens 2,5 Std Gehzeit bis zur Hütte waren und wir einen Mordshunger hatten, zählte jede Minute.

 

Auf der oberen Bierenwangalpe
Auf der oberen Bierenwangalpe

Um kurz nach 15 Uhr starteten wir zwei an der Mittelstation Richtung Fiderepasshütte. Das Wetter war bombastisch, wir hatten gute Laune trotz Hunger. Zum Glück kam die obere Bierenwangalpe in 20 Minuten in Sicht und wir konnten uns mit Suppe stärken. Lange durften wir allerdings nicht die Aussicht genießen, denn wir hatten noch einen langen Weg vor uns. Es waren nur noch wenige Menschen auf der Alm, und sie alle gingen wieder in Richtung Mittelstation. Wir in die entgegengesetzte.

 

Der Weg verlief anfangs durch Kieferngrün und saftige Wiesen. Nach ca 1,5 Std bogen wir um die Ecke und liefen am schon etwas ausgesetzteren Hang entlang. Langsam versteckte sich die Sonne und ich hatte ein mulmiges Gefühl im Magen, dass unsere Reservierung bald verfällt, die Hütte absolut voll ist und wir keinen Schlafplatz bekommen.

Endlich war die Hütte in Sicht, es war schon ca 18:30, wir mussten noch ordentlich aufsteigen. Dabei kamen wir durch einige Schneefelder, die mir Unbehagen (das Kind darf bloß nicht ausrutschen) und dem Petzi einen Riesenspaß bereiteten. Der Grund für den Spaß war nicht nur Schnee mitten im Sommer, sondern die Steinböcke und Gemsen, die uns aus naher Entfernung musterten und einige Murmeltiere, die bei kleinstem Geräusch mit ihrem buschigen Popo davonliefen.

Einer sogar hat uns nicht bemerkt und wir konnten uns bis auf 5 Meter anschleichen. Der Petzi wollte ihn sofort als Haustier haben.

 

Die Freude im Sommer Schnee zu sehen war groß!
Die Freude im Sommer Schnee zu sehen war groß!
Suchspiel: wo ist das Murmeltier?!
Suchspiel: wo ist das Murmeltier?!

Bei der Hütte angekommen, war es schon knapp halb acht und wir wurden ordentlich gemustert, nur bloß diesmal von rauen Männern und nicht von Steinböcken. Die Müdigkeit, die der Petzi nach der langen Reise (5 Std mit dem Zug) und einem nicht ganz leichtem Weg bis zur Hütte, hatte, war sofort vergessen, denn die wilden Alpenbewohner faszinierten ihn.

Den Abend verbrachten wir noch bei leckerem Schmaus und Bier für die Mutti in der Stube, mit Spielen und Quatschen.

 

Kurz vor der Fiderepasshütte
Kurz vor der Fiderepasshütte

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück haben wir uns auf den Weg gemacht. Ich hatte am Vorabend nicht darauf geachtet, welchen Weg von der Hütte wir nehmen müssen. Zu Mindelheimer Hütte gibt es nämlich zwei Wege: Krumbacher Höhenweg und Mindelheimer Klettersteig.

Vor uns ragte eine riesige Bergwand mit ordentlichem Schutt, in dem sich ein Zickzackweg nach oben zur Bergspitze abzeichnete. Mein Sohn fragte mich kurz, ob es unser Weg sei und ich verneinte.

 

Der Krumbacher Höhenweg schlängelt sich in der grauen Schuttlandschft nach oben zur Spitze des Passes
Der Krumbacher Höhenweg schlängelt sich in der grauen Schuttlandschft nach oben zur Spitze des Passes

Doch genau das war der Krumbacher Höhenweg! Man musste den Pass überqueren und auf der anderen Seite wieder einige Meter absteigen. Ich hatte Bedenken, ob das gut geht. Denn einige Schneefelder lagen auf dem Weg im Schatten.

 

Wir hatten viele Steine "im Weg"
Wir hatten viele Steine "im Weg"
Der Schnee auf dem Weg war weich und gut begehbar
Der Schnee auf dem Weg war weich und gut begehbar

Ich hatte mich geirrt. Der Petzi war im Nu komma nix oben, ohne Pause, ohne Quengeln und Beschweren. Oben angekommen bot sich ein wunderschöner Blick in beide Täler an.

Gleich daneben haben wir eine längere Pause in der Sonne gemacht, mit belegten Broten vom Frühstück und dem Vorlesen aus dem neuen Räuber Hotzenplotz Buch. Die Sonne wärmte uns diesen Morgen und man hatte tolle Laune.

 

Nach 1 Std waren wir wieder weiter unten auf einem Weg zur nächsten Hütte, der mehr oder weniger eben verlief. Wir haben nochmal eine Pause gemacht, und da merkte ich es: eine riesige schwarze Wolke kam hinterm Berg hervor und kurz darauf donnerte es.

Nun Regenjacken angezogen, Rucksack verkleidet, machten wir uns auf den Weg zur Hütte. Es schüttete wie aus den Eimern und von Pause war keine Rede mehr. Die Wege wurden matschig und wir schleppten einige Kilo Dreck an den Schuhen. So ging es weitere 1,5 Std bis wir die Mindelheimer Hütte erreichten. Pitschnass bis auf die Unterwäsche, aber mit einem Salamander in den Händen, saß mein Sohn in der Vorhalle und verlangte nach einem Gefäß für das neue Tierchen. Verbote, Ausreden, Überredungen funktionierten nicht. Zwischen all dem nassen Zeug, weiteren pitschnassen Wanderen, und einem Berg von dreckigen Schuhen führten wir ein Gespräch.

In solchen Situationen möchte man explodieren, alles hinschmeißen, verschwinden, doch ich hatte keine Wahl: ich musste den Jungen überreden den Salamander wieder rauszulassen (er hat ihm immerhin Kraft gegeben und Laune verbessert bis zur Hütte im peitschendem Regen zu laufen), sich umzuziehen und endlich in die Stube zu gehen.

Irgendwann haben wir es geschafft. Wir saßen trocken am Tisch und bestellten uns Kakao mit Strudel. Als ich auf die Uhr guckte, war es 12:30...

 

Das letzte Bild auf dem Weg zur Mindelheimer Hütte kurz bevor alles schwarz wurde
Das letzte Bild auf dem Weg zur Mindelheimer Hütte kurz bevor alles schwarz wurde

Wie kriegt man die Zeit in einer Berghütte rum, wenn es draußen n Strömen regnet und man alleine mit dem Kind unterwegs ist? Den ganzen Tag haben wir Spiele gespielt: wir haben das Angebot bis auf den letzten Würfel ausprobiert und ich war todmüde vor Unterhaltung.

Nach dem Essen gingen wir um halb neun ins Bett. Der nächste Tag sollte ja Pausentag sein...

Am nächsten Morgen aufgewacht, sah der Himmel grau aus. Ich hatte schon so eine Vorahnung, dass  es kein strahlender Sonnenscheintag sein wird. Beim Frühstück unterhielten wir uns mit dem Pärchen, das mit uns schon am Vortag viel gespielt hat. Die Wetterprognose ließ zum Wünschen übrig: bis zum Ende der Woche wechselhaft. Gerade wollte ich anfangen zu packen, da fing es wieder an zu regnen. Meine Laune sank in Keller. Ich wollte zwar nicht auf die nächste Hütte an dem Tag, aber den ganzen Tag wieder in der Stube zu hocken (Aha! Daher kommt also dieser Ausdruck!) war auch keine Option. Also nicht lang überlegt, entschied ich ins Tal abzusteigen und nach Hause zu fahren.

Hierzu muss ich gleich sagen, der Auslöser dafür war nicht gleich der Regen, vielmehr die fehlenden Klamotten. Ich hatte keine Regenhosen eingepackt, für den Petzi nur eine dünne lange Hose und einen Pulli, beides hing seit dem Vorabend im Trockenraum und wurde grade so noch trocken.

Die Schuhe waren ebenfalls ein Problem: knöchelhohe Schuhe von CMP für den Petzi. Sie sollen angeblich wasserdicht sein, waren sie aber nicht. Also waren sie auch pitschnass. Für mich als Ausrüstungsjunkie ein harter Schlag ins Gesicht.

 

Unser letztes und einziges gemeinsames Foto auf der Tour
Unser letztes und einziges gemeinsames Foto auf der Tour

Wir machten uns also auf den Weg nach unten. Erster Fehler, den ich den ganzen Abstieg bereut habe,  war ein wunderbares sonniges Wetter! Ich habe ein paarmal versucht den Petzi zu überzeugen doch zu bleiben, aber er hatte sich schon in den Kopf gesetzt heute Abend seinen Papa wiederzusehen, und da half nichts, auch nicht, dass seine Mama doch dabei war.

Zweiter Fehler (der sich wirklich als Fehler erwies) war, dass mein Mann nach kurzer Kommunikation per SMS für uns ein Ticket gebucht hat, also mussten wir um 14:40 in den Zug einsteigen. Ich wusste nicht wie lange der Abstieg und danach der Weg auf der Talstraße bis zur ersten Bushaltestelle dauern würde und nach ein paar Schildern wurde mir klar, dass wir uns keine Pausen gönnen konnten und ziemlich Gas geben mussten.

Zum Glück ging es nur bergrunter und der Weg war nicht schwer. Unten angekommen, durch schlechtes Gewissen geplagt, erwischte uns wieder ein heftiger Regen. Also war der Fehler Nr. 1 doch kein Fehler mehr und ich hatte zumindest nur noch eine Sorge rechtzeitig zum Zug zu schaffen.

Der Weg auf der Straße war für 2 Stunden angegeben und den haben wir in 2 Std gemeistert!

Wir erreichten den Bus, der in 10 Minuten abfuhr, und waren 1 Std früher in Oberstdorf. Zwar wir absolut nass, aber mit Aussicht auf Umziehen im Zug, gingen wir ins Cafe zum Essen. 

Mit neuem Lesestoff ausgerüstet, inzwischen getrocknet, saßen wir später im Zug. Da fiel mir ein, dass wir unsere Regenjacken im Cafe vergessen hatten. Das traf mich wieder hart, denn so eine anständige Hardshell kostet nun mal einige Hunderte... Zum Glück erinnerte ich mich an den Namen des Cafes und rief da an. Sie schickten mir die Jacken wenige Tage später im trockenen Zustand zu.

Die letzten Meter bis zur Spitze: auf dem Fiderepass
Die letzten Meter bis zur Spitze: auf dem Fiderepass

Ich habe einiges aus unserer Reise gelernt. Mein Fazit für die nächste alpine Wanderung mit Kind ist wie folgt:

- absolut dichte Regenkleidung und Schuhe fürs Kind mitnehmen, koste es was es wolle

- kein Rückfahrtticket buchen

- wenn es sich vermeiden lässt, keine Übernachtungen reservieren (zB wenn es unter der Woche ist oder außerhalb der Saison)

- nicht länger als 3-4 Tage einplanen, denn dann bleibt es spannend und wird fürs Kind nicht zum Verhängnis

 

Trotz des blöden Wetters hatten wir beide richtig Spaß! Der Petzi will unbedingt nochmal wandern gehen, hauptsächlich wahrscheinlich wegen all den Tieren. Unsere nächste Tour steht schon. Allerdings zu dritt. Heute habe ich nur die Hinfahrttickets in den Herbstferien gebucht, wieder ins Allgäu. Geplant habe ich nicht viel, allerdings schon einige Hütten ausgesucht. Irgendwie vorbereiten muss man sich doch.

Aber bis dahin ist noch Zeit. Zuerst ist Radfahren in Schweden für 3 Wochen angesagt, darüber berichte ich nach unserer Ankunft. Deswegen: NACH dem Urlaub ist VOR dem Urlaub.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Sylvia (Freitag, 13 Juli 2018 14:19)

    So schön geschrieben, liebe Mascha! Als wäre man dabei...
    Wir hatten auch versucht, Schlafplätze in den Hütten zu reservieren. Da es nicht klappte und alle sbis September (!) ausgebucht war, sind wir auf dem Mainradweg geradelt, kann ich auch sehr empfehlen!